Das Monster in meiner Küche

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Hurra, ich dörre! Hier meine Trockenpilze.

Oder: Hurra, ich dörre!

Nach einem mehr als erfolgreichen Erntejahr entstanden Platzprobleme im Haushalt. Nun. Zumindest die Ernte, die unzählige gefräßige Nacktschnecken übrig ließen in diesem Sommer 2014.

Der als Vorratsschrank missbrauchte Chili-Anzuchtschrank platzt mittlerweile aus allen Nähten, in beiden Tiefkühlfächern sieht es ähnlich aus.

Zwischen Bohnen, Erbsen und anderen angehamsterten Wintervorräten wie Marmeladen, Tomatensaucen, Essige und Gelees ist kein Platz mehr. Da eingesalzene Gemüse und Kräuter mir zum Kochen meist etwas zu salzig sind, beschloss ich die Anschaffung eines Dörrautomaten. Das Dörren, eine Form der Konservierung durch Wasserentzug, die schon vor Generationen praktiziert wurde. Heute ist das alles ganz einfach, man hat Kühlschrank, Tiefkühler, um Dinge haltbar aufzubewahren und vor Verderb zu schützen. Die Sonne scheint in den Breitengraden hier leider zu unzuverlässig, vieles könnte man trocknen, indem man es einfach einige Tage in der Sonne stehen lässt. Ich erinnere mich, dass ein verstorbener Onkel immer Pilze auffädelte und zum Trocknen in den Heizungskeller hing. Heute geht das viel einfacher, man erntet oder kauft saisonal günstige Lebensmittel und konserviert sie durch Trocknung. Dass man in diesen Geräten noch viel mehr herstellen kann, wie Beispielsweise Fruchtleder, Quittenbrot und kalorienarme Gemüsechips (um nur einige zu nennen) ist eine in meinen Augen wundervolle Sache. Vor allem aber kann man ungeschwefeltes Trockenobst damit selbst herstellen, die Vitamine bleiben durch die schonende Trocknung zum größten Teil erhalten und – da sich das Volumen erheblich reduziert – ist es die für mich optimale Konservierungsmöglichkeit bei Platznöten.

Nach langem Suchen im Internet nach dem für mich passenden Gerät entschied ich mich für den Rommelsbacher DA 750, mit drei regulierbaren Wärmestufen und einem Energieverbrauch von 750 Watt in der höchsten Stufe sollte er mein neuer Küchenhelfer werden. Tomaten trocknete ich bisher im Backofen, meist dauerte dies 2 volle Nachmittage, man muss hierbei die Ofentür einen Spalt offen lassen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann und verbraucht dabei wirklich viel Strom. Meine Mutter gab mir netterweise zum Geburtstag 2/3 des Kaufpreises dazu, so taten die 75 Euro Gesamtpreis nicht sehr weh. Nur als Tipp, falls der ein oder andere nun auch auf den Geschmack kommt und sich vielleicht einen zu Weihnachten wünschen möchte. 😉 Ein weiterer großer Vorteil ist, dass er sehr leicht zu reinigende Etagen hat ohne Siebe, wie bei anderen Dörrautomaten. Dadurch spart man Backpapier, mit denen man die Gitter bei flüssigeren Zutaten wie Brei für Quittenbrot abdecken müsste.

Im September war es dann soweit, mich erwartet beim Nachhausekommen ein recht großer Karton. Nun, dachte ich, da wird noch Styropor mit drin sein, um das Gerät zu schützen. Doch dann beim Öffnen zog es mir erstmal die Schuhe aus – das Ding entpuppte sich als Monster! Gelesen hatte ich von einem Durchmesser so um die 30 Zentimeter, es stellte sich nach dem Auspacken heraus, dass er jedoch mindestens 50 Zentimeter misst. Jede einzelne Etage entspricht locker Höhe und Umfang eines großen Kellnertabletts…

Oh Schreck, wohin damit in der Mietwohnung, die nach langjährigem Bewohnen eh schon aus den Fugen platzt? Eine feuerfeste Unterlage sei für die Inbetriebnahme notwendig, so blieb wohl nur die offene Ofentür. Doch wie sollte ich meinem Hobby „Kochen“ vernünftig nachgehen, wenn über Stunden die Ofentür offen steht und mir den Zugang zum Herd verwehrt? Da ich bisweilen auch gerne zu leichtem Größenwahn neige, hatte ich den mit 4 Etagen gelieferten Monster-Dörrer auch direkt mit 4 weiteren Etagen aus dem Internet ausgestattet. Es war ein Schnäppchen, zum Zeitpunkt der Zusatzanschaffung wusste ich ja nicht, dass das Ding an sich schon riesig ist. Nun ja, jeder sollte im Leben mal einen Baum pflanzen oder halt auch einen Turm bauen. Diesen habe ich nun: in Form eines 8-stöckigen Monsters, welches seinen endgültigen Platz auf meinem Heißluft/Grill/Mikrowelle-Kombigerät gefunden hat.

Beim Verfassen dieser kurzen Dörr-Einführung befinden sich darin drei Bund Suppengrün mit Petersilie, roten Paprika und Petersilienwurzeln, gedörrt habe ich auf den normalen 4 Etagen bisher:

An Kräutern werde ich mich nächste Woche versuchen, wie auch immer mal Rezepte zum Thema „Dörren“ zu posten. Ich stellte nämlich fest, dass speziell für dieses Gerät noch viel zu wenige Rezepte online zu finden sind. Und die vom Hersteller angegebene Dörrzeiten muss man, egal, um welches Dörrgut es sich handelt, fast immer um ein Vielfaches überschreiten. Mir selbst war ein Glas mit getrockneten Tomaten leider verschimmelt und musste entsorgt werden, die Tomaten waren beim Einfüllen wohl noch zu weich und stiegen blubbernd im Olivenöl an die Oberfläche. Schade, aber aus Anfängerfehlern lernt man ja. 🙂

Die nächsten größeren Projekte sind dann selbst gemachtes Beef Jerky, gewürzte Zucchinichips und einige Fruchtleder, an Dinge wie gedörrtes Chili con Carne (Ja, das machen Leute, die gerne mit leichtem Gepäck wandern gehen, tatsächlich!) traue ich mich noch nicht heran, aber Früchte und Gemüse werden schon ihren Weg in mein Trockendock finden. 🙂

Noch ein ganz wichtiger Hinweis: Wenn das Gerät neu gekauft wird, auf jeden Fall alle Etagen erstmal spülen und alles zusammen dann auf höchster Stufe 2 Stunden laufen lassen udn nochmal spülen, damit der Kunststoffgeruch entweichen kann (hierbei am Besten gut lüften). Dies gilt auch für nachgekaufte Etagen, ab und an ist an der ein oder anderen nämlich auch ein kleiner Plastikfitzel, der nur beim Spülen auffällt und in meinem Essen natürlich nichts verloren hat.

Ein paar Bilder meines Monsters:

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