Fruchtleder (ungeplant)

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Mein erstes Fruchtleder. 🙂

Irgendwann im September dieses Jahr war es mal wieder soweit, eine Zucchetta Tromba d’Albenga mit einem stattlichen Gewicht von 2 Kilo wollte ich zu Marmelade verarbeiten…
Das Rezept hierfür folgt, hatte ich doch dieses Jahr bereits erfolgreich 6 bis 7 Zucchinimarmeladen gekocht und für geschmacklich ganz gut befunden.

Eins vorab: in all meine Marmeladen und Gelees kommt auch eine kleine Prise selbst gemachtes Cilipulver. Wenn Spitzenköche meinen, dies hebe den Geschmack gerade bei Obst und Schokolade nochmal heraus, dann kann ich das natürlich auch. 😉

Nur leider war mir diesmal beim „Würzen“ der Marmelade das Chilipulver ausgerutscht, ursprünglich angedacht waren als Zutaten für die Marmelade 2 Kilo Zucchini, 200 ml Alnatura-Limettensaft, 100 ml Alnatura-Zitronensaft, 500 Gramm Zucker und diverse Gewürze, die ich immer mit hineingebe. Das Zeug wurde hot, aber so richtig! Es kann natürlich auch daran liegen, dass ich unaufmerksam war. Im Backofen befand sich parallel zur heißen Marmelade ein seit über 30 Jahren erstmals wieder gebackener Herman-Kuchen, das war vielleicht etwas zu viel an einem Abend.

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Herman hieß er, Herman ist da. 😀

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Zehn Gläser scharfer Kompott, Seufz..

Ich probierte die Marmelade, bzw. die scharfe Mischung, die eher maximal ein scharfes Chutney werden könnte und überlegte: „Streck das Zeug, mit allem was Du in der Küche findest“. Doch ich unterschätzte mein Chilipulver, egal, was ich an Zutaten noch hinzu gab, der Topf füllte sich immer mehr und es blieb scharf, brannte und von einer Marmelade war recht wenig zu schmecken. Pheeew, dachte ich mir, vielleicht lässt die Schärfe ja nach, wenn es abgekühlt ist, pürierte es und füllte die heiße Masse in dafür vorbereitete Gläser ab. Die durch diverse Zutaten recht harmlos anmutende Farbe der Marmelade täuscht, auch pink kann manchmal wirklich scharf sein.. 😀  Nachdem ich drei Wochen lang auf die Ansammlung der Gläser in meiner Küche starrte und überlegte, was ich nun damit anstellen könnte, bzw. wem ich das antun sollte, nahm ich kurzentschlossen eine Testglas davon mit ins Büro. Frei nach dem Motto, die Kollegen essen ja eh alles, was man ihnen hinstellt (Hauptsache, man stellt immer mal etwas hin 😀 ) dachte ich, wenn sie das überleben, dann kann ich auch diese Marmelade im Freundes- und Verwandtschaftskreis verteilen und wäre die ganze Geschichte los.

Im Büro stand das Glas ungeöffnet vor mir, ich betrachtete es und überlegte hin und her, ob ich es jetzt wirklich hinstellen sollte zum Testessen oder besser doch nicht. Schließlich ist der ein oder andere dann doch etwas empfindlicher in Bezug auf Schärfe, wer möchte schon Ärger bekommen deshalb? 😀

Also stand mein Entschluss fest: Glas öffnen und selbst nochmal probieren, so war der Plan und wurde auch schnell umgesetzt. Ich probierte einen Löffel, noch einen, und noch einen und plötzlich war das Glas leer, hoppla.

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Huch, plötzlich war es leer. 😀

Das Zeug schmeckte richtig gut, es war ein fruchtiger Kompott mit Chilischärfe, Kokosaroma, genau nach meinem Geschmack. Nur mag ja nicht jeder die Kombination aus süß und scharf und ich hatte noch 9 große Gläser übrig, konnte mir jetzt eigentlich auch nicht vorstellen, den Winter über meine Ernährung auf Kompott als Hauptnahrungsmittel umzustellen. Zahnarztbesuche standen ebenfalls nicht an, also was jetzt?

Nachdem ich weitere 2 Wochen grübelte, was ich nun mit 9 Gläsern (zum Teil in der halb-Kilo-Klasse) scharfem Kompott anstellen sollte, kam mir eine Idee. Diese Ideen fangen meist hinten links im Kopf bei mir an, so über dem linken Ohr, winden sich dann quer durch den Kopf nach rechts vorne und dann dauert es meist nicht mehr lange, bis ich sie umsetze. „Mein Dörrmonster, ja natürlich!“. Schon länger weiß ich, dass man darin auch Fruchtleder herstellen kann, kurzentschlossen öffnete ich alle Gläser wieder und füllte sie in die Tabletts des Dörrautomten, stellte ihn auf 9 Stunden Stufe 3 und war gespannt, ob es gelingt.

Alle Gläser wieder öffnen..

Alle Gläser wieder öffnen..

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..und in die Spüle für neue Füllungen.

Tablett des Rommelsbacher mit Kompott.

 

 

 

 

 

Und tatsächlich, es wurde fest, hurra. Vier dicke Ringe Fruchtleder waren entstanden, die Schärfe hat sich durch den Dörrvorgang auf ein Minimum reduziert und ich muss sagen, es schmeckt wirklich richtig gut. Fruchtig, Kokosnussig mit einem anschließendem Bizzeln auf der Zunge. Ich schnitt es wie mein Quittenbrot  mit der Schere klein und bestreute es noch zusätzlich mit Kokosflocken. So konserviert und portioniert nimmt der scharfe Kompott mir wesentlich weniger Platz weg als 9 Gläser und kann auch besser verteilt werden, beziehungsweise, von mir selbst verzehrt.

Nachkochen empfehle ich jedoch nicht, die Zutatenliste (ich notierte alles auf einem Zettel) ist dann doch etwas … nun ja. Ungewöhnlich. Aber mehr gab die Küche halt nicht her. 😀

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Meine *räusper* paar Zutaten.

Wer sich dennoch an dieses Rezept heranwagen möchte – nur zu und viel Spaß dabei. 🙂

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2 Kommentare zu “Fruchtleder (ungeplant)

  1. Hat richtig Spass gemacht Ihren Beitrag zu lesen. Schonungslose Eigen Ehrlichkeit. Vielen, vielen herzlichen Dank fürs posten. Ich traue mich noch nicht an Früchte mit Chili. Bin am Fruchtleder….mehrfarbig, rot orange gelb usw….Papaya mit Kokosmus z.B, schmeckt mega lecker (hätte es glatt so verputzt) und Erdbeeren mit ein bisches Randensaft, coole Farbe. Liebe Grüsse Tamara

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