Chiliaufzucht, Einführung und Tag 1

Es gibt mittlerweile unzählige Anleitungen im Internet, wie man Chilis am besten züchtet. Bisweilen kann man sich dort aber auch ganz gut verlaufen. Auf Wunsch von AnDi vom sympathischen Schlemmerbalkon-Blog nun meine Gebrauchsanleitung, wie man einfach und erfolgreich Chilis züchten kann. Ich betreibe dies nun im 9. Jahr, hatte in den Anfängen ab dem Jahr 2007 allerdings auch als Berater einen „ChiliHead“, der sich damit sehr gut auskennt und mir wertvolle Tipps gab. Wer Fragen zu Chilianzucht hat: ich helfe auch gerne weiter. Und schließlich muss ich ja auch endlich mal begründen, warum ich mich Pfefferschote nenne, trotz Kürbis im Gesicht. 🙂

Vorwort

Ich versuchte fast alles aus in den letzten Jahren, das ging von Samen einweichen in einem Gemisch aus Wasserstoffperoxid (das ist desinfizierend und tötet Keime/Pilze ab, man bekommt es in der Apotheke) und Wasser über Aussaat in Torfquelltöpfchen bis hin zu speziellem Pflanzenlicht, damit die kleinen Chili-Babys nicht schießen. Das alles ist nicht notwendig, alle Aufzuchtmöglichkeiten, die ich testete, führten zum gleichen Erfolg. Es genügen auch direkt in Anzuchtschalen gegebene Aussaaterde, Kamillentee und ein warmer sonniger Platz auf der Fensterbank. Oder 18-Watt-Tageslicht-Leuchtstoffröhren, solche habe ich mir vor 2 Jahren in meinen kleinen Anzuchtschrank gebaut, es muss nicht extra Pflanzenlicht sein. Neugierig auf LED-Pflanzenlampen bin ich allerdings schon, vielleicht schaffe ich mir im Jahr 2016 welche an. Mal ganz abgesehen davon, dass man der Erde und dem Klima zuliebe vom Kauf Torfhaltiger Produkte absehen sollte, Blumenerde mit Torf darin verwende ich ebenfalls nicht mehr.

Auch in sozialen Netzwerken wie Facebook gibt es  unzählige Chili-Gruppen, in denen man sich beraten lassen kann. Leider tummeln sich dort meiner Erfahrung nach jedoch auch Chilizüchter, die seit Jahren versuchen, sich gegenseitig in Chemiecocktails zu toppen, um höhere Ernteerträge zu erzielen. Ich habe bereits vor über einem Jahr diese Gruppen verlassen, da es sich in meinen Augen bei Chilis um Pflanzen, also Lebewesen handelt, chemische Dünger irgendwann wieder im Kreislauf der Natur landen und einige Mitglieder dort absolut uneinsichtig waren ob dieser Thematik. Ich persönlich möchte meine Früchte (die Chilizüchter-Bohème nennt sie „Beeren“, ich lehne diesen Ausdruck jedoch ab, für mich sind es einfach Früchte) guten Gewissens essen können und Saucen daraus machen, deshalb verwende ich seit Jahren ausschließlich Bio-Dünger wie beispielsweise den flüssigen Tomatendünger von Neudorff.

Das Saatgut beziehe ich nicht in Bio-Qualität, die Vielfalt ist dort noch nicht so groß. Wer mehrere Sorten anbaut, erlebt auch häufig Kreuzungen. Da verlasse ich mich eigentlich immer auf das Saatgut von Dr. Peter Merle auf La Palma, mit diesem habe ich die besten Erfahrungen gemacht, es ist sortenrein und keimt sehr gut. Auch diese Adresse bekam ich vor Jahren von ChiliHead Herrn A. empfohlen. Dr. Merle hat seine Preise dem Markt angepasst, allzu viele versuchen mittlerweile, auch mit Chilisaatgut private Geschäfte zu machen, das drückt natürlich den Preis. Tauschen: Ja. Aber verkaufen? Mache ich nicht, kann ja auch nie garantieren, dass es sortenrein und keimfähig ist, ich betreibe dies als Hobby und nicht gewerblich.

Für den normalen Züchter genügt eine Aussaat im Februar, damit die Kleinen nach den Eisheiligen Mitte Mai schon kräftig genug sind, um sie „an die frische Luft setzen“ zu können. Da ich dieses Jahr den Anbau von weit über 100 Pflanzen plane, einen kleinen Anzuchtschrank in der Wohnung habe, ein großes Fensterbrett im Büro 😀 und ein kleines Gewächshaus im Garten, muss ich mich nicht um Platzprobleme (sie müssen ja alle noch einmal umgetopft werden) sorgen und kann früher beginnen. Andere starten ihre Chiliprojekte sogar schon im Dezember, aber das habe ich leider zeitlich nicht geschafft. Ein paar Chilifreie Wochen möchte ich mir schon gönnen, meine letztjährige Ernte wäre sicher noch bis Dezember gegangen, hätte ich nicht die Pflanzen aus den Beeten geholt.

Hier nun die Dinge, die ich verwende, um meine Chilis zu ziehen, eigentlich benötigt man fast die gleichen wie bei Tomaten. Deren Saatgut weiche ich allerdings nicht ein, vielleicht probiere ich das aber auch mal aus.

Anzucht

Meine Anzuchtanleitung unterteile ich in mehrere Abschnitte. Heute beschreibe ich Tag 1, die Zutaten:

  • Saatgut
  • Kamillentee, so wie man ihn auch selbst trinken würde
  • Einweg-Schnapsgläser, diese bekommt man in den günstigen 1-Euro-Shops und kann sie noch Jahrelang immer wieder verwenden
  • einen wasserfesten Stift
  • Anzuchterde / Aussaaterde (sie ist Nährstoffarm, das ist wichtig)
  • Anzuchtkästen mit Deckeln (ich gebe in jeden Kasten 3 Reihen à 7 Samen, macht 21 Stück pro Kasten)
  • einen warmen Platz
  • und optional bei den Mengen, die ich aussäe, eine Flasche guten Rotwein für die Nerven. 😀
  • einen kleinen Löffel, mit ihm lässt sich problemlos Saatgut abgezählt entnehmen
  • eine Excel-Tabelle als Buchhaltung, falls man für sich oder zum Tausch etwas Saatgut gewinnen möchte
  • später dann ausreichend Platz in Töpfen oder im Garten, sie benötigen ungefähr so viel Platz wie Tomatenpflanzen
  • und: Zeit. 🙂

Am Tag 1 (bevorzugt bei Vollmond, sie keimen dann besser, das stimmt tatsächlich. Ich wollte es früher wirklich nicht glauben, habe den Termin dieses Jahr leider aber wieder verpasst, mpf) nummeriere ich mein Saatgut in meiner Excel-Tabelle und beschrifte mit diesen Nummern auch die Saatguttütchen und Schnapsgläser. Dann koche ich Kamillentee, lasse ihn Handwarm abkühlen und fülle ihn in die Schnapsgläser. Nun wird Sorte für Sorte mit den ausgewählten Samenkörnern in die Gläser gegeben, alle 20 Gläschen ein Schluck Rotwein getrunken, um Ruhe zu bewahren 😀 und für ca. 24 Stunden an einem warmen Platz (auf die Heizung, aber nicht zu warm, der Tee gärt sonst irgendwann) gestellt. Die Anzuchterde fülle ich an diesem Tag ebenfalls vorsorglich in die grünen Anzuchtschalen, damit sie schon einmal Zimmertemperatur annimmt, Chilis und ihr Nachwuchs haben es nämlich gerne warm. Sie sind übrigens mehrjährig, vertragen jedoch nicht Temperaturen unter 5 Grad. Früher, als ich noch keinen Garten hatte, überwinterte ich die ein oder andere Balkonchili erfolgreich in der Wohnung.
Die Anzuchtkästen nummeriere ich außen mit wieder abziehbaren Aufklebern, die ich auch für meine Marmeladengläser verwende. Fotos davon und von Tag 2 folgen später noch, ich säe erst heute Abend aus. Es empfiehlt sich auch, jeweils ein Samenkorn mehr zu nehmen, als geplant, falls doch mal eines nicht aufgehen sollte.

Am Tag 2 lege ich eine dicke Schicht Küchenpapier auf einen flachen Essteller und leere die Becher einen nach dem anderen darauf aus. Die Samen einzeln heraus zu fischen ist viel zu umständlich, diesen Trick überlegte ich mir vor einigen Jahren. Mit einem Stift drücke ich kleine Kuhlen in die vorbereitete Erde und gebe in jede ein Samenkorn und bedecke sie dünn mit Erde, sie sind Dunkelkeimer. Dann stelle ich die Anzuchtkästen mit Deckel auf eine warme sonnige Fensterbank oder ohne Deckel in meinen Anzuchtschrank, in ihm ist eigentlich durch das Licht (ich schalte es mit einer Zeitschaltuhr auf 10 Stunden am Tag) immer eine gute Temperatur.

Später dann werden sie in nährstoffreiche Erde (Tomatenerde ist sehr gut) umgetopft. Die Topfgrößen sollten ca. 8 – 10 cm Durchmesser haben, kann auch größer sein. Mein Tipp: fragt in Gärtnereien, sie werfen viele Plastiktöpfe weg und schenken gerne welche. Ich habe mittlerweile glaube ich ca. 500 Stück., die alle kostenlos waren. Und übrigens: Chilis gedeihen auch in Lehmboden: ich arbeite in jedem Frühjahr Säckeweise Perlite (Isoself von Knauf) dem Boden unter, das ist ein Naturmaterial und wird normalerweise als Füll- / Dämmstoff im Bauwesen verwendet, die Perlitekrümel speichern auch Wasser und machen den Boden bei mir im Garten „fluffiger“. So klappts dann auch bei mir mit den feinen Chiliwurzeln, das Archivbild aus meinem Garten bei den Fotos beweist dies. 🙂

So, allen Neuanfängern viel Erfolg, ich werde weiter berichten in meinem Chilijahr 2015 und wie gesagt, beantworte auch gerne Fragen. Für meine eigene Buchhaltung lade ich immer wieder meine aktualisierte Chililiste 2015 ohne Bilder hier hoch.

Bilder Tag 1

 

 

 

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28 Kommentare zu “Chiliaufzucht, Einführung und Tag 1

  1. Pingback: Chili aus dem eigenen Garten oder vom eigenen Balkon | TinasAugenblickeTinasAugenblicke

  2. Pingback: Das Feuer in der Küche: Chili und Paprika sind Gemüse des Jahres 2015/16 | kochkultur-leipzig

  3. Hallo,
    und Danke fürs Folgen. 🙂

    Deine Anzuchtsanleitung finde ich sehr gut! (auch wenn ich in einigen Punkten nicht ganz der gleichen Meinung bin 😉 )

    Aber jeder hat sein Erfolgsrezept und wie heißt es so schön: Never change a running system.
    Ich wünsche viel Erfolg für die ganze Gartensaison!

    Jetzt werde ich hier noch ein wenig herumstöbern… 😀

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  4. Respekt! Da steckst Du ja jede Menge Arbeit und Geduld in dieses Projekt. Und wie wir sehen bist Du richtig gut organisiert. Okay, bei 200 Pflanzen hat man auch keine andere Wahl! 😉

    Danke für die ausführliche Berichterstattung, wir sind schon auf die Folgeberichte gespannt.

    Vor zwei Jahren haben wir Chili auf unserem Balkon angepflanzt (vorher einfach aus ner gekauften roten Schote die Samen herausgenommen und dann auf der Fensterbank angezogen). Wir haben keine Ahnung was es für eine Sorte war, aber die Früchte hingen in rauen Mengen an den Pflanzen und wir haben jetzt immer noch 4 davon in getrocknetem Zustand! Aber die Ernte war nicht nur mehr als reichhaltig, sie war auch ne richtig scharfe Sache!!! 😀 😀 😀 Wir tragen uns mit dem Gedanken dieses Jahr vielleicht wieder eine oder zwei Pflanzen zu ziehen….

    Wir drücken Dir die Daumen, dass die Anzucht in der gewünschten Qualität gelingt!

    Liebe Grüße und noch einen schönen Abend
    AnDi

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  5. Oh, nun juckt es mich in den Fingern. Eigentlich wollte ich nur mein eigenes Saatgut verwenden, aber wie Du schon schreibst, das bleibt nicht sortenrein. Ich habe dann immer Russisches Roulette mit den Paprika und Chilis, eine ist scharf, die andere nicht, aber man kann es nicht erraten, auf jeden Fall spannend. Dann viel Erfolg! lg MArlies

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    • Meine Finger jucken auch. Weil ich gerade aussäe.. 😀
      Danke, Dir auch viel Erfolg. Letztes Jaht hatte ich auch eigene Mischungen von mir ausgesät, ich nannte sie BuMi (Bunte Mischung), aber leider waren recht viele unscharfe dabei, deshalb habe ich dieses Jahr Saatgut für dieses und nächstes Jahr bestellt. Some like it hot 😉

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  6. *wow…

    das ist ja richtig viel Arbeit und meinen Respekt hast du jetzt schon.

    Kann gut mitfühlen, denn ich hatte früher auch einen riesigen Garten und habe fast alles angebaut, was nur irgendwie zum Eigenbedarf diente.
    Ich bleib dir auf den Fersen 😉

    Liebe Grüsse, die heute etwas stürmisch sind, wegen des ewigen Windes, der über meinen Balkon pfeift,

    Uschi

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