Der nächste Feind.

Denke ich an den Namen meines nach Nacktschnecken an zweiter Stelle stehenden Gartenfeindes, stelle ich mir jedes Mal vor, Viktor von Bülow sitzt oben auf einer Wolke auf seinem Sofa, spitzt die Lippen und sagt mit hochgezogener Augenbraue in seiner uns wohl bekannten Art : „Buchsbaumzünsler“. 😀

Der Buchsbaum-Schädling, dessen Name eher nach Satire, als einem Kleinschmetterling (Falter) klingt, wurde vor einigen Jahren durch Pflanzenimporte von Ostasien nach Mitteleuropa eingeschleppt und wandert von dort nun von Jahr zu Jahr weiter Richtung Norden. Es handelt sich hierbei um einen weißen Falter mit braunen breiten Rändern an den Flügeln, dessen Raupen unsere Buchsbäume aufessen. Innerhalb weniger Tage schaffen seine Nachkommen, die Pflanzen bis auf das Holz abzugrasen. Ein Foto des Falters gibt es dort in voller Größe: KLICK.

Blieben meine zwei Buchsbäume im ersten Garten letztes Jahr noch verschont, habe ich nun Anfang Mai 2015 Komplettbefall. In meinem neuen Garten übernahm ich rund um meinen Mini-Teich gepflanzte ältere Buchsbäume in (hässlichen) Pflanzsteinen. Zunächst wunderte ich mich über kleine angefressene Blätter im Teichwasser, doch schnell wurde klar: der Buchsbaumzünsler ist mittlerweile weiter Richtung Norden unterwegs und hat nun auch unsere hessischen Gärten als Futterquelle entdeckt. Eine Gartenfreundin erzählte mir, dass bei ihr schon 2014 die ersten Buchsbaumzünsler gesichtet wurden, jedoch nicht in dieser Menge. Wer mehr über den Zünsler (ich denke schon wieder an Loriot) wissen möchte, begebe sich bitte zu Wikipedia: Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis).

Mir persönlich macht der Befall wenig aus, plante ich doch, die Buchsbäume irgendwann komplett zu entfernen und um den kleinen Teich Kräuter und Blumen zu pflanzen. So wird die Umsetzung dieses Vorhabens nun beschleunigt, wie ich sie am besten aus den Pflanzsteinen bekomme, ist allerdings noch unklar.

Aus der Ferne betrachtet sehen meine Buchsbäume, für die ich übrigens pro Stück bei Gartenübernahme 15 Euro zahlen musste, noch recht normal aus (alle Bilder vom 6. Mai):

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Buchsbäume um kleinen Gartenteich.

Doch bei näherem Hinsehen wird deutlich, was die Raupen des Buchsbaumzünslers innerhalb kürzester Zeit anrichten:

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Angefressene Buchsbäume in meinem Garten.

Noch näher:

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Nahaufnahme der Fraßspuren.

Schnell entdeckte ich auch ein stattliches Exemplar dieser Raupe Nimmersatt in einem meiner Buchsbäume, so sieht der gefräßige Kerl aus:

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Raupe des Buchsbaumzünslers.

Gegenmittel, wie beispielsweise Nematoden, Chemiekeulen oder die Raupen mit harten Wasserstrahl aus den Pflanzen zu schießen, gibt es, allerdings werde ich sie nicht anwenden. Sehr leid tut mir meine italienische Gartennachbarin, innerhalb weniger Tage (!) sah ihre dekorativ angeordnete Buchsbaumhecke am 9. Mai 2015 so aus:

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Buchsbäume im Nachbargarten.

Wie schlimm dort der Befall ist, verdeutlicht dieses Bild noch besser, die Hecke war wenige Tage zuvor noch satt grün:

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Fraßspuren des Buchsbaumzünslers.

Nun, da ich keine Freundin immergrüner Pflanzen bin, fällt mir nicht schwer, die Buchsbäume zu entsorgen. Leider bedeutet dies für mich aber auch einen nicht unerheblichen Arbeits- und Zeitaufwand. Für einen einzigen benötigte ich 1,5 Stunden, um ihn aus einem Blumenkübel zu holen. Der Wurzelballen war so schwer, dass ich ihn auf die Seite gekippt irgendwie herauszerren musste, um so vom Ballen Erde abstechen zu können. Im Ganzen bekam ich ihn auf Grund seines Gewichts nicht auf meine Schubkarre.

2015-05-06 Zünsler7

Befallener Buchsbaum verpackt auf Schubkarre.

Da ich demnächst ein paar Tage nicht im Garten sein kann und ab Mitte Mai auch Pflanzungen anstehen, wird die Entsorgung der Buchsbäume noch etwas dauern. Oder ich warte, bis sie komplett abgefressen sind, um sie einfacher aus den Pflanzsteinen herausholen zu können. Dann sieht man nämlich auch die Stämmchen…

(Gar nicht ausmalen mag ich mir, wenn der Buchsbaumschädling irgendwann auch alte englische Gärten erreicht – die Mengen versprühter Chemikalien sehe ich schon vor meinem geistigen Auge.)

 

 

 

 

 

 

 

 

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38 Kommentare zu “Der nächste Feind.

  1. Das ist ja schon nahezu gruselig, was Du dort schreibst. Ich habe auch ein wenig Buchsbaum in meinem Garten. Bisher ist die Raupe Nimmersatt hier allerdings noch nicht angekommen. Als ich das hier las, fielen mir auch die alten englischen Gärten gleich ein. Das mag man sich gar nicht vorstellen. Trotz allem fand ich Deinen Beitrag sehr interessant. Ich habe zwar schon viel über den Buchsbaumzünsler gehört, aber solche Schadbilder habe ich bisher dann doch noch nicht gesehen. Das ist schon ganz schön arg.
    Herzliche Grüße zum Abend von der Silberdistel

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  2. Nein, da kann ich nicht, *gefälltmir, drücken, denn solche Schädlinge bringen sicher viel Trauer in manche Gärten oder auch zu Hausbesitzern.
    Ich habe von diesem *Zündler noch nichts gehört, oder es verpasst, dass er schon in Deutschland ist.

    Bin für dich jetzt aber froh, dass es dich nicht zu arg trifft, aber die Zeit geht dir trotzdem flöten, wo du schöneres hättest tun können, gell.

    Tschüss für heute und einen schönen Abend noch,
    Uschi

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  3. Oje, wie schade :-(. Ist schon schade um die ehemals schönen Pflanzen. Sie sind ja schon recht groß und da ist es sicher nicht einfach, sie zu entfernen.
    Ich habe panische Angst vor dem Zünsler, bisher hatten wir Glück… Wenn er erst einmal angekommmen ist, hat man wirklich ein Problem… Liebe Grüße, Birthe

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  4. Das ist schon ein Graus! Dann wird es ja nicht lange dauern und sie landen bei uns. Nach den Schnecken richten die Raupen wirklich den meisten Schaden an, ich habe sie auch schon im Verdacht, sich an meinen Pak Choi heran gemacht zu haben, auf einmal sind da Löcher! Einige Buchshecken habe ich, wäre schade, wenn…. aber da kann an wohl nichts machen, als abwarten und Tee trinken.Kommt mir ein bisschen vor, wie das große Bambussterben, aber das waren ja keine Schädlinge. Also nicht verzagen, dann müssen wir uns halt anpassen und was anderes pflanzen, wie Du schon geschrieben hast! Liebe Grüße Marlies

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    • Nun, da viele Europäer auch Pflanzen aus anderen Ländern schätzen, sind solch eingeschleppte Schädlinge sicher keine Seltenheit. Mir gefällt es auch nicht, aber ich muss mich halt damit abfinden. 🙂

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