Blaue Molche (und Väter)

Vor knapp zwei Wochen, es war der 2. Mai, stattete ich mit Teichpumpe, Kescher und Eimer bewaffnet meinem ehemaligen Garten einen Besuch ab: meine drei kleinen Goldfische galt es noch in den neuen Garten umzuziehen. Die neuen Pächter meines ersten Gartens erzählten, sie würden die Fische nicht mehr sehen und ich ahnte schon, dass sie einem Tier zum Opfer gefallen waren. Leider war meine Teichpumpe wohl in einem kälteren Winter kaputt gegangen. Sie war ein Geschenk meines verstorbenen Vaters (alles Gute zum Vatertag, Papa) er sagte, ich solle sie immer in Wasser lagern, damit sie nicht rostet. In einem sehr kalten Winter im Garten war aber sicher das Wasser im Eimer eingefroren, sie ist nun leider kaputt und so schöpften wir mit Eimern das Wasser aus dem kleinen Gartenteich. Von meinen Fischen Chili, Pepper und Hot keine Spur. Sie fanden wohl ihre Bestimmung als Abendessen von Fischreiher, Katze oder Waschbär. RIP, Fischis.

Auf dem Teichgrund tummelten sich aber viele Molche in Schlamm und Restwasser. Was solls, ziehe ich an Stelle von Fischen halt Molche in meinen im April mit Pflanzen bestückten Gartenteich um, dachte ich mir und wir fingen einige vorsichtig ein. Doch plötzlich, es war kaum zu glauben, ging meinem Kescher etwas Blaues ins Netz: ein blauer Molch mit orangefarbenem Bauch und wundervollen Mustern auf Rücken und Beinchen, ein Schönling, den die Natur nicht besser hätte hervorbringen können! Ich nahm insgesamt 6 Molche mit in meinen neuen Garten, den wundervoll hübschen Beau unter den Molchen und fünf normal schwarzbraun gefärbte, die ebenfalls ihre Bäuche in orange schmücken. Mein Kummer über den Verlust der Fische war schnell verflogen, denn ich mag Molche unheimlich gern. Manchmal sitze ich am Teich und beobachte, wie einer von ihnen nach oben paddelt und sich eine Mückenlarve schnappt, man erkennt die lustigen flinken Amphibien im trüben Wasser schnell an ihren leuchtenden Bäuchen.

Zurück in meinem neuen Garten angekommen, goß ich Molch für Molch langsam aus meinem Eimer in eine große Salatschüssel und fischte sie von dort vorsichtig mit einer Suppenkelle heraus, um sie dann in meinem kleinen Teich frei zu lassen. Dort hatte ich neben drei Wasserpflanzen auch einen tönernen Halloween-Kürbis versenkt, der eigentlich Kerzenhalter sein sollte und nun eine schöne Teichhöhle ist.

Später Zuhause googelte ich dann nach blauen Molchen und was durfte ich lesen? Um während der Paarzungszeit die Gunst eines Molchweibchens zu erwerben, färben sich die Männchen der Bergmolche im Frühjahr blau. Nun habe ich endlich eine Erklärung, warum das bei Menschen am hiesigen Vatertag (Himmelfahrtstag) auch so ist.. 😀
Ob davon auch der Ausdruck Lustmolch stammt? 😀

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Mein kleiner Gartenteich.

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Blaues Molchmännchen in Salatschüssel.

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Blaues Molchmännchen von oben.

Dass es sich um ergoogelte Bergmolche handeln könne, zweifele ich etwas an, aber sie sehen wirklich genauso aus. Da sie geschützt sind, werde ich nun besonders gut auf sie aufpassen. Ihre Umsiedelung ist eigentlich verboten, das wusste ich vorher nicht. Sollten sie sich bei mir nicht wohlfühlen, werde ich sie in den alten Teich zurückbringen. Dort sind übrigens noch mindestens 12 weitere Molche angesiedelt, darunter ebenfalls blaue Männchen, für weitere Nachkommen ist also in beiden Teichen gesorgt. 🙂

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33 Kommentare zu “Blaue Molche (und Väter)

  1. herrlich herrlich, einfach zu schön! da geht mir das herz auf. wirklich.
    danke für deinen so liebevollen umzugsbericht. ❤
    wäre dein teich nicht so weit von unserem entfernt, würde ich dir sehr gern von unseren fischen welche abgeben.
    sie könnten dann genauso heißen, wie deine vermißten, denn sie sehen auch so aus. hot, pepper und chilli.
    blaue molche in der art, wie du sie gefunden hast, kannte ich bisher auch nicht. mir begegnet immer nur die gattung blauer lustmolch 😀
    hab einen schönen tag heute und vielleicht hast du sogar frei 😉

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  2. Hast du ein Netz über deinem Teich? Damit nicht Reiher und Co. sie rausfischen und verspeisen?
    Interessant das Ganze, blau, weil er auf Brautschau ist.
    Hihi, das passt echt zu diesem Tag.
    Lustmolch – daher wird das wohl kommen.
    Liebe Grüße Bärbel

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  3. Huhu!
    Schön, wenn du den Tierchen ein Zuhause gibst. Sie gehören zu den Tierarten, die immer weiter verschwinden, weil deren Lebensraum verschwindet.

    ABER:
    Bitte denke daran, den Tieren ein Verlassen des Teiches zu ermöglichen. Bzw. das sie nach dem Verlassen auch wieder zurückkehren können. Sonst findest du demnächst vertrocknete (oder vom Rand gestürzte) Tiere in der weiteren Umgebung. Bzw. werden die Tiere, die zurück wollen und nicht hinauf kommen, schnell ein Opfer von Katzen. Da sie Stunden lang um den Bottich hocken.

    Auch um Missbildungen durch Fortpflanzungen in immer derselben Familie und damit (schließlich lebensunfähigen) Missbildungen vorzubeugen. Ich kann es anhand deines Fotos natürlich nicht richtig beurteilen. Aber ich vermute, der 90° steile Beton könnte den Tieren da erheblich Probleme bereiten.

    Ich möchte kein Meckerkopf sein aber darauf hinweisen, dass die Molche Amphibien sind und in der Natur die (meist ebenerdigen) Gewässer verlassen (zu feuchten Tages- & Jahreszeiten, Regen …).

    Vielleicht wäre eine breite Rampe (nicht nur 2 cm breit) oder angeschüttete Erde eine Option? Es sei denn, du bemerkst, dass sie am Beton senkrecht hinaufklettern können.

    LG
    Uwe

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    • Hallo Uwe, Danke für Deine Ratschläge. 🙂
      Aber: es ist kein Beton, sondern ein in den Boden gelassener Speis-Kübel mit breitem Rand, sie können dort jederzeit hinein und hinaus, wie sie wollen. Außenherum sind nur Hölzer, diese haben weiter unten auch mehrere Lücken. Außerdem bepflanze ich rundum noch, so dass sie ebenerdige Fluchtwege haben werden. Im übernächsten Garten sind übrigens ebenfalls 2 Teiche mit Molchen, für Haremswechsel ist also auch gesorgt. 🙂

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  4. Das ist eine sehr schöne Geschichte um den kleinen Lustmolch und seine Weibchen. Ich wünsche dir weiterhin viel Freude mit ihnen. Spannend finde ich auch, was man durch Zufall alles so lernt, wenn man einen Garten hat.

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