BU, Tag 3: Vom Berger Hang zum Enkheimer Ried

Passend zum Mittwoch’chen Bergfest waren wir (die Teilnehmer des Bildungsurlaubes „Natur in Frankfurt“, veranstaltet vom Höchster Bildungsschuppen) heute weit oben. Wir trafen uns in der Frankfurt-Bergener Marktstraße, um den Lehrpfad durch Streuobst- und Wildblumenwiesen hinunter in das Enkheimer Ried zu wandern. Immer wieder machten wir Halt, um uns über Besonderheiten und selten Pflanzen aufklären zu lassen. Jeder Wandertag in früheren Schulzeiten ist ein Nichts gegen das, was wir in dieser Woche erfahren.

Begleitet wurden wir (eine ausgewogene Mischung: 5 Frauen, 9 Männer 😀   ) heute neben unserem Leithirsch Thomas (Nein, nach ihm ist nicht meine Feigenbaum benannt 😀  ), der seine Sache wirklich gut macht, von einem sich in Altersteilzeit befindlichen Mitarbeiter des Grünflächenamtes und einem seit 5 Jahren im Ruhestand stehenden ehemaligen Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde der Stadt Frankfurt. Letzterer versorgte uns mit Wander- / Radwanderkarten des Grüngürtels hier in Frankfurt, ersterer verteilte Postkarten mit einigen geschützten Arten mit Motiv der Eidechse und des Speierlings. Passte hervorragend zum kurzen Bericht meines kleinen, aus dem ersten Garten in den neuen importierten Baum neulich: Hier in Frankfurt am Berger Südhang steht tatsächlich ein riesiger Speierling! Da hüpft das Großstadtherz beim Größenvergleich, mein kleiner Baum wächst ja noch in einem Topf, aber dieser Verwandte ist wirklich imposant:

2015-06-17 SpeierlingBergerHang1

Speierling am Berger Hang (Süd)

Zum Größenvergleich nochmals der meine, Stand Mai 2015 😀

2015-05-30 Speierling

Mein Mini-Speierling.

Ergänzend zum heute bewunderten Baum: auf dem Streuobstwiesen-Lehrpfad des Berger Hangs gibt es an lohnenden Stellen natürlich auch Schilder. Neben vielen anderen knipste ich heute das des Speierlings, ich hoffe, man kann die Schrift des Schildes auf dem Foto erkennen:

2015-06-17 SpeierlingBergerHang2

Hinweisschild: Baum 8 auf dem Streuobstwiesen-Lehrpfad: Speierling.

Hessische Orchideen bewunderten wir ebenfalls. „Wie jetzt, Orchideen?“ fragen sich sicher einige mit offenem Mund. Ja, sie gehören zur Familie der Orchideen, Gymnadena Conopsea genannt, die wunderhübsch rosa blühenden Blumen auf den geschützten Wiesen des Berger Südhangs. Eine Blüte von vielen dort vorkommenden, die ich heute fotografierte, man nennt sie auch Mücken-Händelwurz, Langsporn-Händelwurz, Fliegen-Händelwurz oder Große Händelwurz:

2015-06-17 OrchideHessen1

Gymnadena Conopsea auf Wildblumenwiese am Berger Hang.

Zur Verdeutlichung öffnete uns Ausflugs begleitender Pensionär der unteren Naturschutzbehörde Frankfurt eine Seite des Buches „Enkheimer Ried und Berger Hang – Geschichte und natürliche Vielfalt einer Landschaft im Osten von Frankfurt am Main“, auch darin findet die hübsche Pflanze Erwähnung:

2015-06-17 OrchideHessen2

Auszug Buch „Enkheimer Ried und Berger Hang“.

Gesamtbild der besuchten Wildblumenwiese:

2015-06-17 OrchideHessen3

Wildblumenwiese am Berger Südhang.

Ein sehr interessanter Tag neigt sich während des Verfassens dieser Zeilen dem Ende zu, ich bin müde, es gibt ein weiteres Mal fast überwiegend visuelle Eindrücke unseres heutigen Ausflugs. Einzig als Kritikpunkt möchte ich anmerken: Kleingärtner sind offensichtlich vielen städtischen Mitarbeitern ein Dorn im Auge, immer wieder wurden sie heute tadelnd erwähnt. Das bewerte ich negativ – viele derer, so auch ich, säen altes Saatgut zur Weitergabe deren Nachkommen aus, um es zu erhalten und fördern somit wichtige Erhaltung der Arten-Vielfalt. Illegale Gärten mit wundervollen Pflanzen darin (ich machte absichtlich keine Fotos derer, um die Anonymität zu wahren) sind meines Erachtens nach nicht störend. Natürlich sind die meist umzäunten Areale Einschnitte in Naturschutzgebiete – aber dienen sie nicht auch einem Erholungswert für Menschen in der Stadt? Viel schlimmer war der Anblick einer Streuobstwiese, dessen Besitzer das rot gekennzeichnete RoundUp (Glyphosat, Monsanto) verwendete, um nicht gewollte Pflanzen zu eliminieren. Auch das war kein Bild-Motiv für mich, sondern ich lief meiner Gesundheit zuliebe schnell und grummelnd weiter.

Bedauerlich auch: man sieht den hässlichen Klotz des EZB-Neubaus nun leider auch, wenn man durch den Frankfurter Grüngürtel vom Berger Südhang hinab zum Enkheimer Ried wandert. Mir persönlich gefällt das Bauwerk nicht. Seit heute noch weniger.

2015-06-17 BergerHangKlotz

Am Horizont die EZB. Och neeeeee…

Etwas enttäuscht über einige gemachte Aussagen der Begleitenden über Kleingärten, aber dennoch sehr glücklich über den heutigen lehrreichen Ausflug, der zum Enkheimer Ried führte (auch darüber intensiver zu berichten, schaffe ich zeitlich leider nicht) und im geplanten Wohnungs-Bebauungs-Gebiet Leuchte in Enkheim zur Vorstellung einer angrenzenden Wiese mit Eidechsen-Ansiedelungen endete, beschließe ich nun den kurzen Bericht mit Bildern.

Aber eins noch: einst wurde am Berger Südhang (es gibt auch einen Nordhang) Wein angebaut. Das kenne ich auch aus Erzählungen von unserem Bornheimer Hang, nahe der FSV-Frankfurt-Spielstätte, dort fand früher ebenfalls Weinanbau statt. Heute wurde mir jedoch berichtet, der Boden des Berger Südhanges sei ausgermergelt gewesen und die noch später eingeschleppte nordamerikanische Reblaus habe dazu geführt, dass demzufolge nur noch Apfelbäume für Obstweine (unser Ebellwoi, Apfelwein) an Stelle Weins gepflanzt wurden. Vor ein paar Jahren wurde mir jedoch hier im Frankfurter Stadtteil Bornheim berichtet, nur die Reblaus sei Schuld, dass auch am Bornheimer Hang von schlauen Einwohnern Äpfel statt Trauben zur Weinverarbeitung geerntet wurden. Ob es nun am ausgezehrten Boden lag oder nicht – ich sage mal: „Prost“ und Danke an die Erfinder aus der Not für diesen leichten Wein, der in Maßen genossen kaum schwere (Kopf-)Folgen hat. 🙂

Am morgigen 4. Tag (Donnerstag) des Bildungsurlaubs „Natur in Frankfurt“ besuchen wir den Botanischen Garten in Frankfurt und unseren Hauptfriedhof. Letzteren kenne ich bereits von früheren sonntäglichen Spaziergängen – was er noch aufweist: ich bin gespannt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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18 Kommentare zu “BU, Tag 3: Vom Berger Hang zum Enkheimer Ried

  1. Schön, wenn so alte Herren ihr Wissen kundtun.
    Denn sie haben viel Erfahrungen.
    Dass sie gegen Kleingärtner sind, ist nicht so schön.
    Aber deine Fotos sind ne Wucht.
    Vor allem der alte Speierling und deiner, der noch kommen wird, lach.
    Super!
    Liebe Grüße Bärbel

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  2. Schöne Fotos hast du mitgebracht! Ich kenne Frankfurt nur vom Vorbeifahren, wenn´s nach Holland geht. Vielleicht sollten wir uns in der Gegend auch mal umsehen. Ein erholsames Wochenende! Und halte uns mit deinem Speierling auf dem Laufenden :-).

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  3. dein Speierling kann ja noch werden, und vielleicht wird er auch mal soooo stattlich, wie der auf deinem Bild.
    Dass man schlecht gegen die Kleingaerten spricht, finde ich auch nciht nett. Oft haben die, die in „Gross“ denken, etwas gegen die „Kleinen“. Fein, dass es dir Freude gemacht hat, und dich auch so interessiert hat.
    Den botanischen Garten, den habe ich besucht, der war ja nciht weit weg von mir. Aber viel viel oefter waren wir im Palmengarten.

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