BU Natur in Frankfurt, Tag 4

Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie lange ich mich noch wachhalten kann, um den vierten Tag des absolut spannenden und aufregenden Bildungsurlaubs hier in meiner Wahlheimat Frankfurt noch auf Papier, bzw. ins Internet zu bringen. All meine Sinnesorgane sind müde, die Augen vom Sehen, die Ohren vom Hören, die Zunge erschöpft vom Reden, gerochen habe ich heute an wundervollem Thymian und anderen Pflanzen, Gefühl habe ich auch keines mehr. Zumindest in den Füßen. 😀

Am heutigen vierten Tag des BU „Natur in Frankfurt“, veranstaltet vom Höchster Bildungsschuppen, trafen wir uns morgens mit unserem Leiter Thomas am Eingang des Botanischen Gartens hier in Frankfurt. Ein sehr netter Mitarbeiter des mittlerweile zum Senckenberg-Institut (früher Goethe-Uni zugehörig) gehörenden Geländes stieß kurze Zeit später hinzu und trotz Regens wurden wir sehr liebevoll und mit vielen Geschichten und Erklärungen zu einzelnen Pflanzen versehen durch die Anlage geführt. Himmel, was es dort alles gibt, es ist unglaublich! War ich in früheren jungen Jahren allenfalls mal nächtens auf Studenten-Partys nebenan (damals war dort noch der Frankfurter Biologie-Campus angesiedelt), sind wir heute mit wacheren Augen und bei Tageslicht durch diesen geführt worden und kamen aus dem Staunen kaum heraus. So viele Pflanzen-Arten, die nicht nur hier in Hessen mittlerweile fast ausgestorben sind und dort erhalten bleiben. Angelegte Areale, nach Kontinenten oder Heilpflanzen sortiert, es ist ein fast sprachlos machendes Ausflugsziel…

Zuviel Werbung möchte ich für dieses Kleinod jedoch nicht machen. Niemals sollten größere Gruppen oder Menschenscharen dort hindurchwandeln, die knapp bemessene Anlage würde dann nicht mehr so sein wie jetzt. Das wäre zu schade. Bilder habe ich einige gemacht, allerdings die meisten Namen von Pflanzen auch schon wieder vergessen. Wer knipst, ist klar im Vorteil und hat wenigstens Fotos. 🙂

Vormittag: Botanischer Garten in Frankfurt (ich bitte, die Qualität der Fotos zu entschuldigen. Es regnete und eine Einzelbearbeitung war mir aus Zeitgründen beim Verfassen des Berichts heute Abend leider unmöglich. Gleiches gilt der Einzelbeschriftung.):

Nach einer ausgedehnten Mittagspause mit die Ruhepause krönender Erdbeer-Sahne-Torte zum Nachtisch trafen wir Teilnehmer uns am Haupteingang des Hauptfriedhofs Frankfurt wieder, um von Vogelkundler Bernd Petri vom NABU LV Hessen alles mögliche und unmögliche über bei uns in der Stadt lebende Vögel zu erfahren. Unterhaltsam, lustig, sehr lustig, grandios war der heutige Tag. Bernd versteht sein Handwerk der Ornithologie, wie kaum ein anderer es könnte. Mit Geschichten über den Zilpzalp, dessen Namen ich  vorher noch nicht einmal gehört hatte, begann der Nachmittag. Es folgte ein Vortrag über die Systematik der Paarbildung bei der Nachtigall, spätestens dann konnte sich kaum einer, trotz währenddessen in der Nähe vorbeiziehender Trauernden, das Lachen verkneifen. Weiterhin lernten wir heute, dass die Herren Nachtigall nach Rückkehr aus dem Süden zwei Wochen lang Singen üben. Dann erst kommen die Weibchen und suchen sich den in ihren Ohren besten und stärksten Sänger zur Paarung aus, Damenwahl hat auch bei Vögeln Vorherrschaft.

Dass Amseln eigentlich (Schwarz-)Drosseln sind, Krähen Einwanderer aus allen Teilen Osteuropas. Mauersegler ihr komplettes Leben im Flug erledigen, nämlich Fressen, Partnerwahl, sich vermehren, usw. und hierbei während ihres Lebens eine Strecke von 10 mal von Erde zum Mond und zurück bewältigen. Erzählungen über Tauben und Lettische Lachmöwen gab es. Dass auch Vögel Dialekte sprechen, also andere Sprachen, sich daher wie viele Menschen erst nach Jahren verstehen und lieben lernen. Dass deutsche Rotkehlchen Weicheier (mein Wortlaut) sind, weil sie den Winter im Süden verbringen, aber ihre Artgenossen aus Skandinavien hier bei uns überwintern – dies alles und vieles mehr durften wir heute vom Vogelkundler erfahren. Ein wenig merkwürdig mutete es schon an, auf dem Friedhof zu lachen. Ich vergoss dort schon viele Tränen während Beisetzungen, ein besonders guter früherer Freund von mir ist neben einigen anderen dort bestattet. Daher und natürlich, weil das Zuhören bannte, machte ich auch nur vier Bilder. Der heutige Aufenthalt dort war für mich persönlich ein Hin und Her der Gefühle.

Nachmittag: Besuch auf dem Frankfurter Hauptfriedhof mit dem NABU-Ornithologen Bernd Petri:

Zum Abschluss durften wir alle noch durch Bernds High-Tech-Vogel-Beobachtungsgerät mit 60-facher Vergrößerung (!!) schauen, das er während des Vortrages vor Kriegsgräbern platziert hatte und man wirklich nicht einfach nur „Fernglas“ nennen kann.  Sollte mich nach dem Bildungsurlaub jemand fragen, welcher Tag denn der schönste gewesen sei – eine Antwort würde ich spätestens nach dem heute erlebten Tag schuldig bleiben.

Morgen treffen wir uns in Bonames auf dem ehemaligen Flugplatz. Dort war ich seit 15 Jahren nicht mehr, ich freue mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es ist der letzte Tag.

 

 

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11 Kommentare zu “BU Natur in Frankfurt, Tag 4

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