Im Garten. Nach der Katastrophe ist vor der Nächsten. Sicher.

Jetzt mal ehrlich: wer hätte gedacht, dass ein Garten innerhalb von nur 10 Tagen komplett eskalieren kann? Nicht im übelsten Alptraum erahnte ich ein solches Desaster. Himmel, ich geriet bei meiner vormittäglichen Ankunft in eine grüne Hölle. Samentragende Gräser aller auf dieser Welt vorkommenden Sorten, wo man nur hinsah, die immer- und ewig grüne Hecke zeigte weiß ausufernde Blütenstände, diverse Blumensorten erreichten Wuchshöhen von 150 Zentimetern. Klee, dessen süße Blütenblätter wir als Kinder so gerne aussaugten, wuchs auf – oder vielmehr „im“ – Rasen mittlerweile Knöchelhoch.

Dschungelbuch Drei Punkt Null. Mindestens. Ursprünglich plante ich maximale 7 Stunden Aufenthalt im sich mir nach 10-tägiger Abwesenheit bietenden Urwald an, daraus wurden mindestens 9.

Ehrlich. Mein innerer Schweinehund rief mir laut zu: „Boah, nee, wir gehen einfach wieder, das ist nicht Dein Garten, das schaffst Du gar nicht. Lass abhauen!“.

Kurze Zeit später denkt man aber dann doch über den wahren Sinn des Lebens nach und schleift drei 1,80 m hoch geschossene und blühende Bio-Mangolds des Vorjahres den Weg entlang Richtung Komposter. Und stellt dabei fest, dass man seinen „Ewigen Kohl“, eine Jungpflanze aus dem Vorjahr, wohl nun besser wirklich mit der Astschere zurück schneiden sollte, da das zarte Kohlpflänzchen einen bequemen Durchgang mittlerweile unmöglich macht. Dermaßen verholzte Stiele kannte ich bisher nicht einmal von im Beet über den Winter vergessenen Kohlrabis. Selbst Kirschlorbeer ist ein Nichts gegen „Ewigen Kohl“, der sich seit Frühlingsmitte auch noch immer nicht zwischen Schnecken-Schleim oder Blattläusen als Deko entscheiden mag. Ein vernünftiges Durchkommen war auf dem Weg zur Laube also nicht mehr möglich…  Ich erlebte später am Nachmittag noch dazu einen gefühlten Herbst, als ich die Überreste des Rückschnitts mit dem Laubrechen zum Abtransport anhäufelte (zwei Bilder dazu unten).

Meine Mohns? Ok, sie benehmen sich und blühen. Ordentlich. Außerordentlich. Diverse sich so von mir gewollt selbst ausgesäte Kornblumen des Vorjahres auch. Aber dass sich alle zu einem Komplott gegen die verzweifelt kämpfende Gartenherrin abgesprochen haben und mir und meiner kleinen Quitte und dem jungen, sehr jungen Blaubeerstrauch (er ist auch irgendwo da unten, heul) über den Kopf wachsen – so war das nicht angedacht. Wie soll ich so, ohne auf einen Schemel zu steigen, vernünftige Blütenbilder für mein Blögchen knipsen? Absolut Rücksichtslos finde ich das von ihnen. Zu schön war außerdem die Planung, blühende Blumen unter Obst tragenden Pflanzen zu haben.. Naja, romantischer Anblick war halt geplant. Nun verhält es sich anders herum, unter den blühenden Blumen sind irgendwo die Obst-Jungbäumchen. Zumindest hoffe ich noch darauf.

Der über 30 Jahre alte alte Wein der Vorpächter des Gartens vor der Laube? Wein? Welcher Wein? Ich sah nur Grünzeug. Lianen-gleich schlängelte es sich, sämtliche Sitzgelegenheiten verwehrend, im Durchgang vor der Laube entlang. Ich erwartete beim Anblick dessen nur noch, dass gleich ein „Huuuuuaaaahhhrgggggg, ich bins, Tarzan! Jane?“ aus dem ausufernden Grün erklang. Und schnitt zurück, bis ich endlich an meine kleine Rasenmäher-Garage kam.

Hölle, es war und ist immer noch Hölle. Eine ganz besonders Grüne in diesem Jahr. Alles wächst, alles wächst mir über den Kopf, alles ufert aus. Nur meine Gurken wieder nicht. Ich blicke nach Stunden wirklich heftigem Garten-Workout (andere würden für die Kursteilnahme an einem solchen Seminar an der frischen Luft ein Vermögen zahlen!) gerade erst auf meinen noch immer schmerzenden Knöchel, dann zum Einkoch-Automat, der in der Ecke auf mit Gurken wohl gefüllte Einkochgläser wartend sein Dasein fristet und dann auf Fotos, die depressive Chili-Jungpflanzen im Gewächshausboden auf dem Monitor abbilden.

Es wächst und gedeiht ja sehr vieles im Garten, ich mag mich auch gar nicht beklagen. Nur die Gurken halt wieder nicht. Die Kürbisse erst recht nicht. Beide bilden Blüten aus und sind gerade mal nur 15 Zentimeter hoch. Wow, wenigstens hartnäckig. Und die anderen Gemüse-Pflanzen möchten bis auf drei Radieschen ebenfalls gar nicht erst zum Verzehr bereit wachsend im Beet stehen. Sie alle verhalten sich störrisch, auch gutes Zureden oder Anmaulen endete Ergebnislos.

Mein Hauptschwerpunkt, warum ich mir eigentlich vor Jahren einen Garten zulegte, meine heiß geliebten Chilis, mickern ebenso schlimm vor sich hin, vergleichbar Oskar aus der „Blechtrommel“. Bei jedem Chili-Baby, das ich heute (endlich und vier Wochen zu spät) einpflanzte,  wartete ich nur darauf, dass es unter meinen Rock kriechen möchte. Ich widerstand gestern und gab ein hoffnungsvolleres Zuhause: sie leben nun in der Bodenerde des Gewächshauses. Es sind so wenige, wie nie zuvor in den vergangenen acht Jahren des Hobbygärtnerns erlebt. Und immer noch so klein. Kein Wunder, in ihren zarten Blättern haben sich wahre Blattlaus-Trabantenstädte angesiedelt. Am Schopf lassen diese alles verkümmern, das eigentlich leben und wachsen und dort einen Sommer alt werden sollte. Das kann wirklich frustrierend sein. Hoffnung geben mir allerdings drei Marienkäfer, die mich auf den Chili sitzend satt angrinsten und von mir direkt mit eingepflanzt wurden..

Entgegen aller guten Vorsätze zur Schonung der überdehnten Bänder am linken Fuß mähte ich sofort nach Rückschnitt des Weins meine drei kleinen Wiesen, weil ich den Anblick des Gartens so einfach nicht mehr ertrug. Ich arbeitete humpelnd dort den ganzen Tag und werkelte, weiter „ackernd“ bis zum frühen Abend auf einen Garten-Helfer wartend, der die Hecken für die kommenden Regentage kürzte, damit sie in einer Woche wieder genau so aussehen wie bei meiner Ankunft gestern Vormittag.

Ich vergaß, die abgeblühten Lupinen herunter zu schneiden und sollte das wohl besser zeitnah nachholen. Weil sie sich seit Sommer 2015 so unglaublich vermehren. Eine derer, die es sich mitten auf dem Kiesweg vor meinem Garten gemütlich gemacht hatte, grub sich eine Gartennachbarin aus. Sie sagte, sie findet Lupinen so schön. Ich hoffe, ihr bleibt eine Plage erspart: in meinem Garten wachsen sie mittlerweile nämlich auch auf der Wiese.

Mit nicht gewollt wachsenden Pflänzchen werde ich mich erst in der kommenden Woche im Regen bespaßen, dazu kam ich gestern gar nicht erst. Rasenkanten schneiden, längst vergessene Erdbeeren unter Grasbüscheln wieder finden, Gräser unter einem merkwürdigen rosa Schaf stutzen (es leidet unter Appetitlosigkeit), Essen im Kühlschrank vergessen, Tabletten vergessen zu nehmen, viel zu wenig Wasser getrunken. Ich blicke auf die Handy-Wetter-App und sehe: Hier in Hessen wird es laut Vorhersage ca. eine Woche bei milder Temperatur regnen. Aber all das macht nichts:

Ich war endlich wieder im Garten. Und es tat so gut! Ich kann immerhin meine Mohnblumen nun küssen, ohne mich bücken zu müssen. 🙂

20160611-GartenHoelleMohn

Weitere Bilder zum Beitrag gibt es dort: KLICK .

Bild des „Ewigen Kohls“ vor Rückschnitt. Er wächst wuchs links neben dem Stuhl am Birnbaum:

20160611_EwigerKohl1

Nach Rückschnitt: Ach komm, echt? Ich habe ja Pflanzsteine im Garten! 😀 😀

20160611_EwigerKohl2

Mittlerweile habe ich den ersten Schock übrigens verkraftet. Es geht mir gut. Und ich sollte wirklich mehr Kohl essen. Oder kann man damit vielleicht auch Wickel gegen Bänder-Überdehnungen am Fuß machen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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15 Kommentare zu “Im Garten. Nach der Katastrophe ist vor der Nächsten. Sicher.

  1. bei uns ist es zu heiss, so dass man so ziemlich jeden Tag giessen muss. Im Aquarium gibt es Eiswuerfel, um die Temperatur etwas runter zu bringen, daheim den Aircondition Irgendwie spinnt das Wetter ueberall. Mal sehen, wie es dann beim mir in meinem kleinen Gartenteil gehen wird. Im Herbst ziehen wir um

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    • Oh, Ihr zieht um? Ich hoffe, die Hitzewelle bei Euch ebbt ab, normales Wetter mit Temperaturen um die 25 Grad scheint es wohl nirgends mehr zu geben. Wobei ich über die Eiswürfel im Aquarium gerade wirklich schmunzeln musste…
      Liebe Grüße.

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  2. Dieses seltsame Wetter im Moment (nass und warm) sorgt dafür, dass alles quasi explodiert. so schnell kann man sich nicht umdrehen, wie alles über den Kopf wächst. Seltsamerweise alles – außer Gurken, Zucchini und co. – mir geht es dahingehend ähnlich wie Dir: so spät wie selten oder nie, und irgendwie wollen sie nicht so recht „in die Gänge kommen“ … Ich habe jetzt schnell noch etwas gedüngt, frei nach dem Motto: entweder oder ! Aber früher oder später werden auch Deine Chilis wachsen , viel Erfolg!
    Liebe Grüße, Birthe

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    • Liebe Birthe, düngen kann ich momentan kaum, in den Beeten stehen regelrechte Pfützen. Vielleicht gibt es ja Zucchini-Sorten, die gerne im Gewässern wachsen, dann versuche ich es damit mal. 😀
      Liebe Grüße und auch Dir viel Erfolg 🙂

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  3. Wir haben Dich vor unserem geistigen Auge mit einer Machete durch Deinen Garten ziehen sehen! 😀 😀 😀

    Wir drücken die Daumen für das Jungobst! Vielleicht hat das Blumendach sie ja auch ein wenig vor all dem Wasser geschützt, welches in der letzten Zeit vom Himmel kam?!?!

    Aber, wie Du selbst schon geschrieben hast: Du konntest wieder in Deinen Garten!!! 🙂

    LG
    AnDi

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