Freutag, 01.07.2016 / Rezept Walnusslikör von der grünen Walnuss

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Ihm geht was auf die Nüsse. Die dumme Nuss. Solche und ähnliche Sprüche kennt man derer viele. Mir völlig unverständlich, sind Nüsse doch – sofern man kein Allergiker ist – etwas sehr feines und voller wichtiger Vitamine (E- und B-Vitamine, Carotinoide) und ungesättigter Fettsäuren. Normalerweise isst man sie ja eher in Herbst und Winter, wenn sie reif sind und uns mit Kalium, Zink, Magnesium, Kalzium und Eisen über die dunklen Monate hinweghelfen.

Doch auch im Juni lässt sich mit ihnen schon allerlei Schabernack treiben: diese Woche setzte ich die Grundlage für Walnusslikör von grünen Walnüssen an. Das Rezept dazu entnahm ich einem Likör-Buch und bin schon heute auf den Geschmack gespannt. Meine Änderungen: ich gab zusätzlich noch eine Vanilleschote in das Glas, im Original-Rezept wurden nur Zimtstange und Nelken verwendet. Vanille geht aber irgendwie doch immer. Weiterhin werde ich den Likör in zwei Monaten mit in Wasser aufgelöstem braunem Kandis an Stelle von Zucker abschmecken. Kandis gibt Likören einen leichten Karamell-Geschmack, zu einem dunklen Nusslikör dürfte das sehr gut passen.

Der heutige Freutags-Protagonist ist also die Walnuss. Aufgeschnitten grinste mich eine davon hinter Glas an, als lebe ein Flaschengeist im Angesetzten:

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Blick durchs Glas: Walnuss-Scheibe.

Zu gruselig? Ok, dann gibt es heute zur Feier des Juli-Beginns halt den Freutags-Foto-Doppelschlag, uns lachen aufgeschnittene grüne Walnüsse an:

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Am Beitragsende gibt es übrigens heute noch ein Walnuss-Bonusbild. 😉

Schon beim Lesen des Rezepts lief mir das Wasser im Mund zusammen. Nocino, den klassischen italienischen dunklen Likör selbst anzusetzen, es juckte mir in den Fingern, als ich auf der Gartenbank sitzend im Buch blätterte. Im Juni, wenn die Walnüsse grün sind, solle man ernten, las ich und erinnerte mich, dass auf einer Wiese am Gemeinschaftshaus unseres Gartenvereins ein großer Walnussbaum steht. Nussbäume selbst anzubauen ist uns Kleingärtnern laut Pachtvertrag untersagt, ich vermute, weil Tiere wie Eichhörnchen sie dann überall aussäen und die Anlage zu einem Walnussbaum-Wald mutieren könnte. Vielleicht auch, weil die Wurzeln der mächtigen Bäume das Wasser aus den Nachbargärten ziehen würden. Immerhin können besonders große Exemplare bis zu 30 Meter hoch werden.

Mit einer Schüssel bewaffnet ging ich zum Baum, zog seine ausladenden Zweige zu mir herunter und konnte so in kurzer Zeit ein gutes Pfund Walnüsse pflücken. Dass mir Freundin Tina am Tag darauf noch ganze zwei Kilo von ihrem Walnussbaum mitbrachte, ließ mein Herz noch höher hüpfen – mit ihnen füllte ich gestern Abend mein erstes 2,5-Liter-Glas weiter auf und setzte dann gleich noch ein zweites an. Und auch wenn zu lesen ist, dass die Nüsse in Italien traditionell in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni gepflückt werden: diesen Termin hatte ich leider verpasst. Aber wir leben weiter nördlich, in diesem Jahr ist der Sommer noch dazu leicht verspätet, da schadete nicht, die Walnüsse erst einige Tage später zu ernten. Das noch weiße Innere der Walnüsse und die noch sehr knackigen Schalen außen bestätigten mir das.

Mit Doppelkorn hatte ich mich bereits Tags zuvor für weitere Aufgesetzte eingedeckt. Die Blicke der anderen Kunden an der Supermarktkasse sind übrigens jedesmal unbezahlbar, wenn man sich als Hobbygärtner mit diversen Spirituosen in Großmengen für selbst gemachte Geschenke eindeckt. Mir egal, wenn mein Hobby ruft, gibt es kein Pardon. 🙂

Das Rezept

Wichtig: bitte Einweghandschuhe tragen. Auch wenn die Nüsse innen noch weiß sind, der beim Schneiden austretende Saft ist stark braun färbend. Nicht umsonst verwenden dunkelhaarige Frauen oft eine selbst angesetzte Tinktur aus Walnuss- und Efeublättern, um ihren dunklen Haaren damit noch mehr Intensität zu verleihen. Wer am nächsten Tag nicht mit braunen Nägeln und fleckigen Fingern ins Büro gehen möchte, sollte das Tragen der Handschuhe also unbedingt beachten. 🙂

Zutaten

  • 1 Pfund grüne Walnüsse, im Juni gepflückt
  • 1 Liter Doppelkorn, 38%
  • 1 Bio-Vanilleschote
  • 4 Nelken
  • 1 kleine Zimtstange
  • 8 Wochen später: 350 g braunen Kandiszucker und 400 ml stilles Tafelwasser

Zubereitung

Die grünen Walnüsse werden sorgfältig gewaschen und mit einem scharfen Messer in dicke Scheiben oder Stücke geschnitten. Dann gibt man sie in ein großes Glas, das ausgekratzte Mark einer Vanilleschote und die Schote selbst hinzu, Nelken und Zimtstange hinein und bedeckt alles gut mit Doppelkorn. Das Gefäß sollte nun gut verschlossen (entweder Deckel oder Klarsichtfolie mit Gummiring) 8 Wochen lang an einem hellen Ort ruhig stehen und möglichst nicht bewegt werden. Bitte darauf achten, dass es nicht in der prallen Sonne steht, Temperaturen über 30 Grad sollten ebenfalls vermieden werden.

Nach den 8 Wochen wird die Flüssigkeit durch ein feines Sieb in ein weiteres großes Glas abgegossen, wer möchte, kann auch durch einen Kaffeefilter in einem Trichter feiner abseihen. Kandiszucker und Wasser werden zusammen aufgekocht, bis der Kandis sich aufgelöst hat und wieder erkaltet nach und nach mit dem Walnuss-Sud gemischt. Dabei sollte man immer wieder abschmecken und bei Bedarf noch weiter nachsüßen, um die Bitterkeit des Likörs zu mindern. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte also besser etwas mehr Zuckerlösung vorbereiten, als bei den Zutaten angegeben. In gut verschlossenen Flaschen abgefüllt soll der Likör nun noch einige Monate ruhen, möglichst ein ganzes Jahr lang. In Italien wird um die Weihnachtstage herum erstmals verkostet. Zum Wohl. 🙂

TIPP:  Sollten sich in den Flaschen störende Schwebstoffe abgesetzt haben, kann man die Flaschenfüllungen später nochmals filtern. Um den Überblick nicht zu verlieren, mache ich mir für die Enden der Likör-Ruhzeiten übrigens immer Terminerinnerungen in meinen Handy-Kalender. Weiterhin kann man nach Geschmack auch Kräuter wie Beispielsweise Salbei zugeben, darauf habe ich dem Nuss-Aroma zuliebe jedoch verzichtet.

Bilder

Ansatz-Tage 1 bis 3: am Einfüll-Tag war er noch klar, doch bereits am nächsten Tag verfärbte sich der Likör-Ansatz ohne Rühren oder Schütteln sehr dunkel.

 

Und weil die Woche so schön war, gibt es nun noch das oben angekündigte Bonus-Bild. Wie Tomaten von hinten aussehen, hatte ich ja mal berichtet. Walnüsse stehen ihnen da doch tatsächlich in nichts nach. 😀

FreutagsWalnussHinten

Walnuss: die Rückseite.

Danke an Tina für diese absolut gelungene Nuss, sie und ich lachten Mittwoch in Erinnerung an meine damalige Tomate wirklich Tränen. 😀

Allen ein schönes Wochenende (meines begann schon Donnerstag, ich habe heute frei) und lasst den Bäumen noch ein paar Nüsse. Denn auch mit reifen Walnüssen lassen sich Liköre ansetzen. Dieser Beitrag über italienischen Nusslikör hat übrigens nichts mit der EM 2016 und dem bevorstehenden Viertelfinal-Spiel morgen zu tun. Ehrlich.  😉

 

 

 

 

 

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10 Kommentare zu “Freutag, 01.07.2016 / Rezept Walnusslikör von der grünen Walnuss

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