Freutag, 21.07.2017: Zucchini oder Kürbis – Ja, was denn nun?

Die ersten 4,5 Kilo geernteten Zucchini 2017 sind im Glas, da erreicht mich eine Mail einer netten Leserin, die im www auf der Suche nach einem Zucchini-Marmelade-Rezept über meinen Blog gestolpert ist.

Als mir vor 3,5 Jahren ein Freund Saatgut aus Nizza mitbrachte, kam ich nicht annähernd auf die Idee, auch mal ins Französisch-Deutsch-Wörterbuch zu sehen. Schließlich war ein kleines Foto auf der Packung, das deutlich eine keulenförmige grüne Zucchini zeigte. Seit Jahren baue ich diese Sorte nun also an und freue mich jeden Sommer aufs neue über reiche Erträge. Kochte Marmeladen, legte sie süß-sauer mit Kurkuma ein, verschenkte die ein oder andere geerntete Zucchini und nun also diese Mail. Meine „Courgette Longue de Nice“ seien eigentlich Kürbisse, schreibt sie, sie habe in Frankreich kürzlich Saatgut erstanden und es handele sich bei der Zucchini-Sorte wohl um Kürbisse. Somit müssten sie „Courge Longue de Nice“ heißen – sie habe dort diese Sorte gekauft – und nicht „Courgette“ (Courgette=Zucchini, Courge=Kürbis).

Im Vordergrund: „Courgette Longue de Nice“, geerntet am 17.07.2017. In meinen Augen eindeutig eine Zucchini. Dahinter eine grüne Bio-Zucchini „Zarte Grüne“ und Gurken in der Schüssel.

Äh. Ja. Dass man im Frühjahr nach unzureichender Beschriftung der Jungpflanzen immer wieder ins Schleudern geraten kann, wenn es um die Bestimmung der ausgeschlüpften Zucchini-/Kürbis/Gurken-Saaten geht – dies kann man aufgrund der frappierenden Ähnlichkeit der Kürbisgewächse immer wieder und überall erfahren. Auch, dass Zucchini eine gezüchtete Unterart des Gartenkürbis sind, lässt sich allerorten nachlesen.

Aber: wie soll ich das nun bitte meinen Freunden erklären – ein Großteil derer reißt mir nicht nur die Gläser mit eingelegten Zucchini wahrlich aus den Händen, sondern verabscheut abgrundtief Kürbis in allen Variationen? 😀

Gehe ich nun also hin und erkläre „Ihr habt alle Jahrelang Kürbis gegessen, keine Zucchini“ und lache mir eins darüber (kicher)? Oder belasse ich alle Zucchini-Sorten, die ich bisher in meinem Blog erwähnte, in der Gewissheit, sie seien Zucchini und keine Kürbisse und erkläre Zucchini-Hassern, es seien Kürbisse?

Ohne nun auf die Packung sehen zu können (das Saatgut lagert natürlich im Garten und nicht an meinem PC) behaupte ich mal, auf der Packung steht „Courgette“. Verzweifelt die Augen gen Himmel drehend schreibe ich einen Freund an, der mir das Saatgut einst aus Nizza mitbrachte: „Hast Du noch ein Foto der Saatgut-Päckchen von damals? So aus dem Frühjahr 2014?“.

Ich nutze die Zeit bis eine Antwort oder ein Foto in der Mailbox eintrudelt zur tieferen Recherche. Gebe ich „Courgette“ in die Suchmaschine ein und gehe auf Bildersuche, sehe ich Zucchini und Kürbisse. Gebe ich „Courge“ ein, erscheint das Gleiche. Mit der so gewonnenen Gewissheit, dass sich selbst unsere französischen Nachbarn nicht sicher darüber sind, was sie denn da nun eigentlich essen, beschließe ich alles in meinen Blog-Beiträgen zu belassen wie es ist. Ich selbst unterscheide sie bisher nach Merkmalen wie z.B. der Schale: ist die Schale so weich und dünn, dass man sie beim Pflücken leicht mit einem Fingernagel verletzt / einritzt und die Kochzeit sehr kurz, spreche ich von Zucchini. Ist die Schale härter und dicker – wie halt bei einem Butternut- oder Hokkaido-Kürbis – und die Würfel bleiben auch nach längerem Kochen fest (wie in meiner Pasta-Sauce), schreibe ich von Kürbis.

Oder so formuliert: wenn mir demnächst jemand über den Weg läuft und erklärt, er esse keine Zucchini… Kein Problem, ich habe ja nur Kürbisse eingelegt. Und anders herum: die Kürbis-Verächter bekommen nur noch Zucchini in allen Variationen. „Das dürfte eine alle zufrieden stellende Lösung des Problems sein“ lache ich mir ins Fäustchen und beiße erstmal in eine geerntete Gurke. Mein heutiges Freutags-Bild:

Bei meinen Gurken bin ich mir nämlich zu 100 % sicher, dass es ebensolche sind. Auch wenn sie manchmal etwas anders aussehen, als konventionelle Salatgurken. „Cucumis“ gehören zwar auch zur Gattung der Kürbisgewächse, aber man erkennt diese wenigstens eindeutig am Geschmack. 😀

Von links nach rechts:

Bio-Salat-Gurke „Market More“, eine wundervolle alte Landgurkensorte, die noch richtig nach Gurke schmeckt; eine zu groß gewachsene Einlegegurke „Hokus“, die man einlegen, aber auch locker-lecker zu groß geerntet roh essen kann; vier Zitronen-Gurken – sie stammen aus Saatgut, das ich vor 5 Jahren von Gartenfreundin Claudi geschenkt bekam und die einzige geschlüpfte Pflanze dessen nun im Sommer 2017 im Gewächshaus wuchert; drei mexikanische Minigurken.

Geschrieben, verkündet und schon trudelt das Foto des Freundes ein, der mir im Februar 2014 Saatgut aus Nizza mitbrachte: auf der Packung steht „Courgette Longue de Nice“. Ich jubele laut und fahre in den Garten. Schönes Wochenende. 🙂

Nachtrag: Dass ich in den Vorjahren auch „Courgette Ronde de Nice“ anbaute und diese eine harte Schale aufweisen – darüber schweige ich mich an dieser Stelle einfach mal aus… Hauptsache, es schmeckt.


Über weibliche und männliche Blüten als Unterscheidungsmerkmale reichte die Zeit zur Recherche leider nicht aus. Sollte es jemand wissen: gerne als Kommentar, danke schön. 🙂

 

Advertisements

2 Kommentare zu “Freutag, 21.07.2017: Zucchini oder Kürbis – Ja, was denn nun?

Kommentar dazu? Bitte, gerne. :-)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s