Die Bienchen, die Blümchen. Und die Melönchen.

Als ich neulich nach ein paar Tagen Abwesenheit mein Gewächshaus wieder freischnitt, gab es viel zu entdecken. Ich beginne mal von vorne, was geschah.

Es begann im Mai 2017. Am 22. Mai, um genauer zu sein. Im Garten blühte es, meine Gemüse-Jungpflanzen erfreuten sich bester Gesundheit und ich betrat wohlgelaunt meine kleine Wellness-Oase, um ein wenig zu gärtnern. Dass nachts Waschbären in unserer Gartenanlage Unwesen treiben und mit großer Vorliebe meine Steckschildchen aus dem Kräuterbeet ziehen, Bohnenstangen umwerfen oder (das stelle ich immer wieder anhand tierischer Haare auf meinem Gartenbank-Polster fest) es sich an meinem Grillplatz gemütlich machten – alles nichts neues.

Doch als mein Blick nach unten fiel, entdeckte ich ungewöhnliches. Die Platten vor der Gartenlaube waren übersät mit kurzen Bambus-Röhrchen. „Welches Tier hat sich denn nun schon wieder ausgetobt?“ fragte ich mich und schaute mich relativ ratlos suchend um. „Himmel, eines meiner Insekten-Hotels wurde überfallen!“ entfuhr es mir laut, als ich den Blick nach oben Richtung Insekten-Hotel an der Laube wandte. Fluchend sammelte ich alle Röhrchen wieder auf, um sie behutsam zurück in das dort hängende Hotel zu schieben. Schließlich brüteten in ihnen noch Nützlinge aller Arten, die später nach Ausschlupf 2017 und 2018 der Bestäubung meiner Chilis, Tomaten und anderen Blühern dienen sollten.

„Es war ein Specht“, klärte mich Gartenfreundin Claudi auf, „ich habe ihn wegfliegen sehen“. Ok. Ein Specht hat schließlich auch mal Hunger und wenn man ihn schon mit einer solchen „Futterbar“ zum Essen einlädt, hat er auch kurzweilig etwas davon und kann sich ordentlich austoben. „Eine einmalige Sache“ zuckte ich mit den Schultern und beschäftigte mich mit den üblichen Gartenarbeiten. Schließlich habe ich noch mehr Insekten-Hotels, als nur das eine, diese kleinen Verluste ließen sich verschmerzen und die Geschichte geriet schnell in Vergessenheit.

Diese Rechnung hatte ich jedoch ohne Herrn Specht gemacht. Bereits einige Tage später, genauer gesagt am 6. Juni 2017 hatte er nicht nur meine sorgfältige Reparatur wiederentdeckt und zerstört, sondern auch weitere Hotels entdeckt …

…und betrachtet meinen Garten und seine allerjüngsten Bewohner offensichtlich seither als kostenloses „Fly-In“ & „All-you-can-eat-Buffet“. Jedes der Hotels, egal wie gut versteckt aufgehängt, wurde von ihm ausgeraubt oder es waren Spuren von Einbruchsversuchen erkennbar.

13. Juni: Herr Specht war immer noch nicht satt.

Im Garten rund um die Laube ist seit Wochen alles übersät mit kurzen Röhrchen und Herr Specht dürfte sich mittlerweile einen ansehnlichen Wanst angefuttert haben. Nur eines unter dichtem Weinlaub versteckt und eines, das geschützter hinter Himbeeren hing, waren noch einigermaßen intakt.

„Schlagen wir doch einfach zwei Fliegen mit einer Klappe“ beschloss ich und hängte vor knapp vier Wochen kurzerhand das hinter den Himbeeren gerettete teilintakte Hotel (rechts unten hatte Herr Specht bereits die ersten Röhrchen gezogen) in mein Gewächshaus. Schließlich war die Vorjahres-Ernte darin gering ausgefallen, nur wenige der zu dicht gepflanzten Chilis in 2016 waren bestäubt worden. Die Nützlinge fanden entweder die Blüten im Urwald nicht oder es waren derer einfach zu wenige. „So hängt es vor Herrn Specht geschützt und die jungen Wildbienen können direkt ihrem angedachten Job nachgehen, nämlich die Blüten meiner Pflanzen darin bestäuben. Prima Plan!“ beschloss ich und setzte das Vorhaben sogleich in die Tat um.

Das Insektenhotel hängt seit 4 Wochen luftig an der Stirnseite eines Regals, damit es auch bei Hitze nicht zu heiß darin wird. An der Gewächshauswand wäre es auf Dauer zu warm, dort posierte es nur für das Foto.

Seitdem werde ich von Zitronengurken erschlagen. Das letzte Samenkorn derer beschenkt mich diesen Sommer mit einer Ernte, aus deren Samen ich locker im kommenden Jahr eine ganze Zitronengurken-Plantage anpflanzen könnte. Bisher erntete ich Zitronengurken im zweistelligen Bereich, verteilte einen Großteil der Beute zum Entzücken meiner Kollegen im Büro und sie wachsen immer noch. Und dann wären da noch neben zwei Maniok-Pflanzen, einigen Tomaten, Chilis, Gemüse-Paprika, etwas Basilikum und einer Mexikanischen Minigurke …..  zwei Honigmelonen-Pflanzen, die ebenfalls im knapp 6 qm „großen“ Gewächshaus leben.

Das Saatgut-Tütchen der Melonen war bei Aussaat längst abgelaufen (2 Jahre überfällig), ist mittlerweile entsorgt und barg nur noch zwei kleine Samenkörner, die trotz Überfälligkeit ausschlüpften und deren Nachkommen nun in Gesellschaft der Zitronengurken mein Gewächshaus zuwuchern. Melonen, wo man hinschaut, in allen Größen, in jeder Ecke:

Nun, das ist aber noch nicht ganz das Ende der Geschichte. Der aufmerksame Leser meines Blogs weiß, dass mein Avatar einen in einen Maschendrahtzaun eingewachsenen Kürbis zeigt, der seinerzeit (im Jahr 2013) nur mit Zange geerntet werden konnte. Und was hat dies nun mit den Honigmelonen zu tun? Die Lösung ist ganz einfach. Im einen der beiden Gewächshaus-Regale stapeln sich gitterne Einlegeböden, auf denen noch ein Rosmarin-Bäumchen und ein paar Ysop auf Auspflanzung warten. Und genau zwischen diesen Böden haben sich zu meiner Erheiterung zwei Melonen überlegt, bequem im Liegen groß zu werden:

Es könnte also durchaus sein, dass sich demnächst mein Blog-Avatar ändert, wir werden sehen.


Fazit: Auch im kommenden Sommer werde ich ein gut gefülltes Hotel in das Gewächshaus hängen, die erfolgreiche Arbeit der bisher geschlüpften Nützlinge ist unübersehbar. Weitere Insekten-Hotels für den Außenbereich werde ich nur noch anschaffen, wenn 5 cm vor Röhrchen oder anderen Füllmaterialien ein feiner Hasen-Draht gespannt ist. So weit vorne, dass der Specht-Schnabel keine Chance mehr hat, die Hotel-Bewohner im Entwicklungs-Schlaf zu stören oder gar aufzuessen. Und Herr Specht? Für ihn habe ich nun ein extra Vogelbad aufgestellt. Schließlich hat man nach so viel Trockenfutter auch mal Durst. 😀

Interessanter Link zum Thema von Facebook-Freundin Heidi, sie kommentierte unter meinem Beitrag des zerstörten Insekten-Hotels am 13. Juni: naturgartenfreude.de/wildbienen/nisthilfen/vogelschutz/ – Lesenswert.

 

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12 Kommentare zu “Die Bienchen, die Blümchen. Und die Melönchen.

  1. Wir haben dieses Jahr auch einen Specht im Garten, das erste Mal seit wir hier wohnen und das sind nun auch schon über 16 Jahre!
    Schön, dass es den Geretteten so gut im Gewächshaus gefällt und Dich mit einer reichen Ernte beschenken.
    Liebe Grüße
    AnDi

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    • Danke, Caro. Im ersten Moment war ich ziemlich sauer, mir ging natürlich auch mal „K*cksp*cht“ durch den Kopf. 😀
      Aber nach längerer Überlegung und dem Hinweis, dass sie zu wenig totes Holz zum Klopfen haben, komme ich ganz gut damit klar, dass geplündert wurde. Liebe Grüße aus Frankfurt 🙂

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  2. wow, bei uns gab es letztes Jahr eine riesige Menge an „Shessek“ und auch sehr sehr viele Zitronen. Dieses Jahr gab es dafuer sehr viele Aepfel. Die anderen beiden Fruechte hatten kaum etwas gebracht, aber bei den Zitronen kann vielleicht doch noch etwas mehr werden.
    Ich freu mich fuer dich, dass alles so gut waechst und dass du eine HIlfe fuer Herrn Specht gefunden hast.

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